Digitale Ökosysteme – Was ist das eigentlich?

Transkript

Intro

Das sind Firmen, die ganze Lebensbereiche und Branchen drastisch verändert haben.

Was ist unter einem digitalen Ökosystem zu verstehen?

Auch wenn der Begriff “digitale Ökosysteme” vielleicht nicht jedem direkt geläufig ist, so kennen wir doch alle Beispiele von digitalen Ökosystemen, weil sie ganze Lebensbereiche, mit denen wir täglich konfrontiert sind, drastisch umgestaltet haben. Wir kennen Uber, wir kennen Airbnb, wir kennen den Amazon Marketplace.

Schauen wir uns mal das Beispiel Airbnb an. Dort haben wir private Gastgeber, die Übernachtungsmöglichkeiten an andere Privatmenschen anbieten. Und dann haben wir eine ganz wichtige Rolle, nämlich zentral dazwischen ist Airbnb als Vermittler. Und diese Vermittlerrolle, das ist genau das, was eigentlich alle digitalen Ökosysteme kennzeichnet und eine Gemeinsamkeit ist.

Diese Vermittlung passiert rein digital und die Plattform wird dann das technische Herzstück unseres digitalen Ökosystems. Und dieses digitale Ökosystem mit seiner Plattform müssen jetzt eben möglichst skalierbar sein, weil wir freiwillig Teilnehmer haben und diese freiwilligen Teilnehmer sich alle einen Vorteil davon versprechen, in dieses digitale Ökosystem zu kommen. Dann setzt sich eine Spirale in Gang. Es kommen immer mehr Anbieter rein, es kommen immer mehr Konsumenten rein. Und das sind dann genau diese Netzwerkeffekte, die häufig zitiert werden und die die Grundlage sind für alle Geschäftsmodelle in der Plattformökonomie.

Was ist das Neue an digitalen Ökosystemen?

Digitale Ökosysteme sind gerade nicht deswegen erfolgreich, weil sie etwas komplett Neues anbieten, sondern weil sie etwas anbieten, was es meistens vorher schon gab, aber das auf ein neues Level heben. Für die Konsumenten ist es besonders attraktiv, weil sie ein viel größeres Angebot bekommen, als es jemals der Fall war. Für die Anbieter ist es sehr attraktiv, weil sie eine riesige Konsumentenbasis als Markt erschließen können, ohne dass sie selbst diese Erschließungskosten tragen müssen. Und für den Anbieter des digitalen Ökosystems, für den Betreiber ist es natürlich auch sehr lukrativ.

Und im öffentlichen Bereich ist es jetzt eben so, dass es dort aber noch sehr wenige und vor allem wenige erfolgreiche digitale Ökosysteme gibt und dass wir vielmehr die Chance auch nutzen müssen, dieses erfolgreiche Prinzip für die öffentliche Verwaltung und den öffentlichen Sektor auszunutzen und die Power der Plattformökonomie dort entsprechend einzusetzen.

Und welche Risiken gibt es?

Ja, überall, wo es viele Vorteile gibt, gibt es natürlich auch Risiken. Ein digitales Ökosystem startet man typischerweise in einem Land, lässt es dort wachsen, aber wegen der starken Skalierbarkeit ist es eben dann auch sehr schnell möglich, in andere Märkte und Länder einzudringen. Und somit sehen wir natürlich ein gewisses Risiko, dass internationale Player auch in den deutschen Markt relativ einfach eintreten können, dort sehr schnell wachsen und dann auch die Regeln hier diktieren können, wie das digitale Ökosystem funktioniert. Und wenn das Ökosystem wirklich groß ist und wenn das sehr etabliert ist und es dann auch nicht viele Alternativen gibt, dann birgt das natürlich das Risiko für die anderen Teilnehmenden, dass sie auch keine echte Alternative dazu mehr haben.

Wie lassen sich Ökosysteme regulieren?

Dem Risiko des Machtmissbrauchs kann man relativ schwer begegnen. Es ist ja typischerweise so, dass Unternehmen digitale Ökosysteme im Rahmen der geltenden Gesetze aufbauen und damit immer erfolgreicher werden. Trotzdem entsteht hier diese Machtkonzentration eben und der versucht man dadurch zu begegnen, dass man vor allem auch auf europäischer Ebene durch eine entsprechende Regulierung Rahmenbedingungen schafft, die eine zu starke Machtkonzentration verhindert.

Das andere Risiko eher auf der Ebene der Marktdominanz, das kann man dadurch angehen, dass man eben es versucht und fördert, dass auch mehr digitale Ökosysteme in Deutschland entstehen und damit auch ein natürliches Gegengewicht zu internationalen Playern dann entsteht und passiert. Ein zusätzlicher Aspekt, den wir auch noch reinbringen können, ist, dass gerade wenn der Staat auch unterstützend auftritt, dass er dann entsprechend einwirken kann, sowohl auf die Rahmenbedingungen als auch die entsprechenden Wertevorstellungen, die in so einem digitalen Ökosystem umgesetzt werden.

Sind alle digitalen Ökosysteme auf Profit ausgerichtet?

Es ist nicht zwingend notwendig, dass sie eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgen. Wir kennen Beispiele wie Wikipedia, was sehr weit verbreitet ist, oder auch Better Place, eine Spendenplattform, die sich selbst dann auch wieder über Spenden finanzieren. Eine andere Möglichkeit ist, dass man sich entsprechende Sponsoren sucht oder auch die öffentliche Hand als Sponsor auftritt und auch darüber kann ein digitales Ökosystem etabliert und betrieben werden.

Inhalt

Experte

Dr. Matthias Naab ist Co-Founder von Full Flamingo, einem Eco-Tech-Start-up mit dem Ziel, die Power der Plattformökonomie für größtmöglichen Impact auf Nachhaltigkeit zu nutzen. Er war bis 2022 am Fraunhofer IESE als Hauptabteilungsleiter tätig und hat das Thema „Digitale Ökosysteme und Plattformökonomie“ mit aufgebaut und verantwortet.

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