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Desinformation im Gesundheitswesen – mit Plattformen gegen die Infodemie

Transkript

Intro

Wie können wir die guten Informationen von den schlechten besser unterscheiden? Also da gibt es eine ganze große Breite an Dingen, die Plattformen machen können, um den Menschen ein bisschen die Arbeit abzunehmen.

Woher stammen Fehl- und Falschinformationen zu Gesundheitsthemen?

Desinformationen kommen aus sehr, sehr vielen verschiedenen Quellen. Wenn wir zurückdenken an die Pandemie, dann hat die WHO neben der Pandemie, also neben der Gesundheitskrise, auch die Infodemie ausgerufen. Das heißt, neben Corona hatten wir auch eine Informationskrise.

Und wir erinnern uns zum Beispiel daran, dass einige Desinformationen direkt aus dem Weißen Haus zu uns kamen, wenn Donald Trump uns damals empfohlen hat, Bleichmittel gegen Corona zu trinken. Das Gleiche gab es in Brasilien mit Jair Bolsonaro. Also es gibt teilweise Regierungen, die Desinformationen verbreiten.

Aber nicht nur. Die können aus Social Media kommen, von Menschen, die uninformiert sind, aber trotzdem ihre Meinung weiterverbreiten. Die können aus WhatsApp-Kanälen von der Familie kommen. Und sie können auch aus dem Journalismus kommen, wenn in einigen Redaktionen vielleicht nicht genügend Journalistinnen und Journalisten arbeiten, die eine Gesundheitskompetenz haben oder wo eine Wissenschaftsredaktion existiert, die eben mit klinischen Studien arbeiten kann und die eben verständlich rüberbringen kann.

Insofern hatten wir viel Verunsicherung, gerade während der Pandemie, gerade auch in Deutschland, wenn wir uns zum Beispiel an AstraZeneca und die Debatte zum Impfstoff erinnern. Und das sorgt eben dafür, dass Bevölkerungen unter Umständen verunsichert sind und nicht gut informiert sind. Und das kann man sehr gut international sich anschauen und schauen, welche Länder waren sehr gut informiert wo gab es wenig Desinformation und wo gab es vielleicht besonders viele Desinformationen. Und welche Kriterien sorgen eben dafür, dass Kommunikationsräume stark mit Desinformationen angereichert sind oder eben vertrauenswürdige Informationen sich von A nach B verbreiten.

Wie kann das Gesundheitssystem Desinformation effektiv begegnen?

Ui, wo soll ich anfangen? Die Schwierigkeit beim Thema Desinformation ist, dass es ein sehr holistisches Thema ist. Das heißt, ich muss an vielen Ecken und Enden gleichzeitig ansetzen. Ich mache mal ein Beispiel. Facebook-Timeline. Ich bin jetzt auf meiner Facebook-Timeline unterwegs. Das heißt, zwei wichtige Faktoren bestimmen, ob ich einen guten Informationsraum oder einen schlechten Informationsraum habe. Und die beiden Faktoren sind einerseits der Algorithmus der Plattform und die Frage, wie funktionieren diese Algorithmen, welche Inhalte werden nach oben gespült, welche werden vielleicht besonders gefördert oder eben nach unten gerankt.

Und die andere Seite bin ich, der Nutzer, der vor dem Bildschirm sitzt und entscheiden muss, welchen Kanälen folgt der überhaupt. Und diese beiden Parameter sind schon mal zwei sehr wichtige Parameter. Und wir wissen, dass es weder um die Algorithmen der Plattform sonderlich gut bestellt ist, noch um die Informationskompetenz der Nutzerinnen und Nutzer. Das Ganze kann aber nur funktionieren, wenn wir zum Beispiel mehr Regulierung haben, sinnvolle Vorgaben, in welchen Rahmenbedingungen diese Algorithmen überhaupt agieren dürfen.

Wir haben am Ende eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, wo eigentlich alle Teile der Gesellschaft ihren Teil dazu beitragen müssen, dass wir ein besseres und resilienteres Informationsökosystem haben. Das betrifft dann eben auch den Gesundheitssektor und die Akteure, die dort darin kommunizieren. Und die Frage, sind sie geschult genug, in Social Media beispielsweise Gesundheitsinformationen zu verbreiten? Welche Akteure spielen da vielleicht noch eine Rolle, die eher Desinformationen verbreiten? Also welche Gruppierungen gibt es, die vielleicht aus alternativ-medizinischen Teilen kommen, die dort aber eine wichtige Rolle spielen in der Verbreitung? Insofern gibt es sehr, sehr viele Dinge, die gleichzeitig passieren müssen, damit das Informationsumfeld besser wird.

Inhalt

Experte

Alexander Sängerlaub ist Direktor und Co-Gründer von futur eins. Er beschäftigt sich holistisch mit digitalen Öffentlichkeiten und der Frage, wie die Utopie einer informierten Gesellschaft erreicht werden kann. Zuvor baute er im Berliner Think Tank Stiftung Neue Verantwortung den Bereich “Stärkung digitaler Öffentlichkeit” mit auf und leitete dort Projekte zu Desinformation (“Fake News”), Fact-Checking und digitaler Nachrichtenkompetenz. Er studierte Publizistik, Psychologie und Politische Kommunikation an der Freien Universität in Berlin.

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    Desinformation im Gesundheitswesen: Schöne neue Kommunikationswelt

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    Intro

    Alles ist eigentlich anders und das bedeutet, dass aber alle Gesellschaftsbereiche lernen und sich entwickeln müssen und adaptieren müssen zu dem, wie die technologischen Disruptionen eben diese neue Kommunikationswelt gestalten.

    Wie schaffen es die Menschen, sich im digitalen Zeitalter gut zu informieren?

    Die Digitalisierung hat einfach das Konzept, wie wir uns informieren und kommunizieren, vom Kopf auf die Füße gestellt. Die Gesellschaft kommt nicht so schnell voran. Ihr fehlen bisher die nötigen Informations- und Nachrichten- kompetenzen, um wirklich souverän diesen Umgang zu meistern.

    Erstmal ist das ein Demokratisierungsprozess, weil viel mehr Menschen heute mitsprechen, mitreden, mitdiskutieren können und wollen, aber eben in dieser völligen Veränderung dieser Kommunikationslandschaft eben auch völlig neue Herausforderungen zu Tage kommen in Bezug auf Regulierung, in Bezug auf Verantwortung, in Bezug auf wen haben wir da überhaupt als Akteure gerade, als Akteure unterwegs.

    Und das macht es eben gar nicht so einfach für uns als Gesellschaft, schnell genug zu reagieren, weil die technologische Disruption ist einfach gigantisch und sehr, sehr schnell. Also man kann gar nicht so schnell hinterher räumen heutzutage und gute Regulierung und Ansätze finden, wird sich eben diese Welt schon wieder verändert und jetzt neue Dinge wie KI, Chat GPT, Midjourney alle relevant werden.

    Und das sorgt dafür, dass die Gesellschaft auch überfordert ist. Also fast alle Gesellschaftssysteme müssen sehr, sehr schnell lernen und adaptieren, ob das das Bildungssystem ist, ob das das politische System ist, ob das das Gesundheitssystem ist. Alle sind auf einmal Teil von dieser Form von Öffentlichkeit und müssen natürlich dort lernen, professionell zu kommunizieren und so die Menschen zu informieren, dass sie eben mitgenommen werden. Aber eben in dieser riesigen Informationsflut ist es gar nicht so einfach, wirklich zu navigieren und von A nach B zu finden, ohne irgendwie auf Werbung, Desinformation, Katzenvideos, was auch immer reinzufallen oder hängenzubleiben.

    Können Plattformen mit Qualitätsmechanismen vor Desinformation schützen?

    Die Plattformen können den wichtigsten Beitrag sogar mit leisten, die Menschen zu schützen vor Desinformation. Wenn wir uns an die Pandemie erinnern, gab es auf einmal völlig neue Informationsangebote von den verschiedenen Plattformen.

    Bei Google, wenn ich Corona gegoogelt habe, kam auf einmal eine Seitenleiste, die mir ganz viele relevante Informationen zur Pandemie gegeben hat. Zum Beispiel, wie ist die Inzidenz in meinem Land oder wie viele Leute sind schon geimpft oder wo finde ich eben relevante Gesundheitsinformationen? Da hat Google einen guten Job gemacht, mich quasi an die Hand zu nehmen, wenn ich Informationen versuche zu googeln.

    Andere Plattformen haben es anders gelöst, manchmal auch weniger gut. Zum Beispiel hat Instagram jeden Beitrag, der irgendwie das Wort Corona oder Covid-19 enthielt, geflaggt und gesagt “Achtung, hier geht es um Corona”. Andere Plattformen haben versucht, wie bei YouTube, besser zu kuratieren, was überhaupt angezeigt wird, wenn ich nach Suchbegriffen suche.

    In dem Moment, wo die Plattform entscheidet, den Menschen zu helfen, in dem vielleicht bestimmte Inhalte kuratiert werden oder noch ein gesondertes Informationsangebot mitgegeben wird, um die Qualität einer Quelle einzuschätzen, ist das eine Riesenhilfe. Und das können Informationen über die Quelle sein, warum ist diese Quelle vertrauenswürdig oder weiterführende Informationen und Links. Und die Frage ist, wie viel Vertrauen geben die Menschen dieser Plattform, damit wir eben ein anderes Ergebnis haben.

    Im Idealfall haben wir richtig viel gelernt aus der Pandemie und wissen ziemlich genau, wenn man jetzt zum Beispiel eine neue Plattform baut, wie man diese ganzen Fragen vorher mitdenken kann. Indem ich ein Qualitätssystem aufsetze, was vorher entscheidet, welche Quellen dürfen überhaupt mitmachen, wenn man so möchte. Und ich vorher ein Regelwerk mir überlege, was genau sagt, das sind Trusted Informations und das sind eben Desinformationen, die auf unserer Plattform nichts zu suchen haben.

    Und da kann man, glaube ich, sehr viel von dem, was Google gemacht hat, wie YouTube Quellen markiert hat, wie andere Plattformen vielleicht weiterführende Links gegeben haben, lernen und mitnehmen, um eben dann in einem neuen Kommunikationsumfeld wirklich qualitativ hochwertige Informationen anbieten zu können.

    Inhalt

    Experte

    Alexander Sängerlaub ist Direktor und Co-Gründer von futur eins. Er beschäftigt sich holistisch mit digitalen Öffentlichkeiten und der Frage, wie die Utopie einer informierten Gesellschaft erreicht werden kann. Zuvor baute er im Berliner Think Tank Stiftung Neue Verantwortung den Bereich “Stärkung digitaler Öffentlichkeit” mit auf und leitete dort Projekte zu Desinformation (“Fake News”), Fact-Checking und digitaler Nachrichtenkompetenz. Er studierte Publizistik, Psychologie und Politische Kommunikation an der Freien Universität in Berlin.

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